Angesichts von grassierendem Hunger und Elend riefen in den siebziger Jahren mehrere Initiativen danach, die die Probleme an der Wurzel anfassen wollten. Die Waren sollten besser bezahlt werden – und zugleich politische Bewusstseinsbildung fördern. Es fanden sich Lieferanten für besser bezahlte Waren, etwa im Umfeld von Entwicklungsprojekten. Nach und nach entstanden Hunderte von Weltläden, Nicaragua-Kaffee und Jutetaschen wurden zu Symbolen für den angestrebten „Wandel durch Handel“.

Nach dem Erfolg in der alternativen Nische der Weltläden stellte sich nun – auf Drängen der Erzeuger – die Frage nach der Ausdehnung in den Massenmarkt. Denn erst der Durchbruch im „normalen“ Einzelhandel würde Veränderungen in größerem Maßstab bewirken können. Fairhandelsorganisationen begannen also Ende der achtziger Jahre damit, auch Supermärkte zu beliefern. 1992 wurde dann die Siegelorganisation Transfair gegründet, um durch unabhängige Zertifizierungen nachweisen zu können, dass Waren fair gehandelt werden. Im fairen Handel entwickeln sich nun zwei erfolgreiche Vertriebsschienen – verkörpert einerseits durch zertifizierte Produkte in den Supermärkten und andererseits durch heute rund 800 Weltläden, vertreten seit 1998 durch den Weltladen-Dachverband. Der Erfolg drückt sich nicht nur im Umsatz aus, sondern auch in der Öffentlichkeitsarbeit: So organisieren im September 2001 alle Akteure des Fairen Handels erstmals gemeinsam eine „Faire Woche“.

Auf internationaler Ebene wurde Ende 2001 ein Grundlagendokument für die weitere Entwicklung des Fairen Handels verabschiedet, die so genannte „Grundlage für eine verbesserte Zusammenarbeit im Fairen Handel“ (pdf). Diese schafft mit einer Definition des Fairen Handels eine Grundlage für das Zusammenwachsen der Fairhandelsbewegung und ist auch in Deutschland anerkannt.

Nachdem der Handel mit fair produzierten Waren in der Zivilgesellschaft, ihren Organisationen und bei den unmittelbar engagierten Unternehmen viel Resonanz erlebte, fand er auch durch die Bundesregierung wie auch durch große Einzelhandelsunternehmen Unterstützung. Das Ergebnis ist ein großer Rückhalt bei Verbraucherinnen und Verbrauchern und ein kontinuierlich zunehmendes Interesse. Dies belegen, in Deutschland wie auch in anderen Industrieländern, die Sensibilisierung für das Anliegen wie auch die stetig wachsenden Marktanteile. Im Jahr 2016 erzielte der Faire Handel in Deutschland einen Gesamtumsatz von ca. 1,3 Mrd. Euro, bei weiterhin positiven Erfolgsaussichten.