CHARLE Berlin: Faire Materialien bis ins kleinste Detail
Was haben Rucksäcke, Jacken, Schuhe und Unterwäsche gemeinsam? Sie alle enthalten kleine textile Komponenten, denen wir kaum Aufmerksamkeit schenken: Bänder, Kordeln, Gurte oder elastische Einsätze. Dabei spielen auch ihre Materialien und Herstellungsbedingungen eine wichtige Rolle. Genau hier setzt CHARLE Berlin an. Das Unternehmen entwickelt textile Zutaten aus natürlichen und biobasierten Rohstoffen und zeigt, wie verantwortungsvolles Wirtschaften auch dort beginnen kann, wo niemand so genau hinschaut.
Aus einer Idee entstanden
Die Geschichte von CHARLE beginnt 2010 mit einem ökologischen Kindermodelabel. Gründerin Mandy Geddert suchte damals vergeblich nach einem elastischen Band ohne synthetische Fasern. Gemeinsam mit einer österreichischen Bandweberei entwickelte sie schließlich eine Alternative aus Bio-Baumwolle und Naturkautschuk. Aus dieser ersten Lösung entstand ein spezialisiertes Unternehmen, das heute Designer*innen, Modemarken und Hersteller*innen mit textilen Komponenten beliefert.
Materialien neu gedacht
Inzwischen umfasst das Sortiment von CHARLE mehr als 100 Bandvarianten. Das Unternehmen setzt unter anderem auf Bio-Baumwolle, Naturkautschuk und holzbasierte Fasern. Gemeinsam mit dem österreichischen Faserhersteller Lenzing entwickelte CHARLE beispielsweise elastische Bänder aus TENCEL™-Fasern und Naturkautschuk als Alternative zu herkömmlichen synthetischen Materialien. Die Herstellung erfolgt in Österreich. Ziel ist es, funktionale und langlebige Komponenten zu entwickeln, die zugleich neue Möglichkeiten für eine kreislauforientierte Textilwirtschaft eröffnen.
Fairness beginnt beim Rohstoff
Doch nachhaltige Materialien allein machen noch keinen Fairen Handel. Entscheidend sind auch die Bedingungen, unter denen Rohstoffe gewonnen und verarbeitet werden. CHARLE engagiert sich deshalb bei Fair Rubber e. V., einer Initiative, die sich für gerechtere Handelsbedingungen bei Naturkautschuk einsetzt. Das Fair-Rubber-Modell sieht zusätzliche Prämien für Produzent*innen vor, die über den regulären Rohstoffpreis hinausgehen und gemeinschaftliche Verbesserungen ermöglichen sollen. Damit rückt auch bei einem unscheinbaren Material die Frage in den Mittelpunkt, wer von seiner Herstellung profitiert.
„Wir reflektieren unser Handeln, analysieren Risiken in der Lieferkette und verbessern sie fortwährend“, erklärt Gründerin Mandy Geddert in einem Gespräch mit dem Aktionsbündnis. In seinem Verhaltenskodex formuliert CHARLE zudem soziale Anforderungen an seine Lieferbeziehungen und bekennt sich zu Menschenrechten, fairen Arbeitsbedingungen und langfristigen Partnerschaften.
Ein Band für VAUDE
Wie gefragt solche Materiallösungen inzwischen sind, zeigt eine aktuelle Zusammenarbeit mit der Outdoormarke VAUDE. Für deren neue Kollektion Cottoncore liefert CHARLE Bänder aus GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle. Sie werden unter anderem in Rucksäcken und Taschen verarbeitet. Die Kollektion soll im Frühjahr 2027 erscheinen und wurde bereits mit dem Design Award nachhaltige Kollektionen by VDMD 2026 ausgezeichnet. Für CHARLE ist die Kooperation ein Beispiel dafür, wie spezialisierte Materialentwicklungen ihren Weg in die Produkte bekannter Marken finden.
CHARLE ist seit 2024 Bündnisakteur beim Aktionsbündnis Fairer Handel Berlin. Das Unternehmen bringt eine Perspektive in unser Netzwerk ein, die im Fairen Handel oft weniger sichtbar ist: die Beschaffung von Rohstoffen und Komponenten für andere Unternehmen. Denn faire Handelsbeziehungen betreffen nicht nur Kaffee, Schokolade oder fertige Textilien, sondern auch die Materialien, aus denen Alltagsprodukte entstehen.
„Gemeinsam entwickeln wir individuelle Produkte und wachsen miteinander für eine gerechtere Zukunft“, sagt Mandy Geddert. Die Zusammenarbeit mit VAUDE zeigt, wie ein spezialisiertes Berliner Unternehmen Einfluss auf die Materialauswahl größerer Marken nehmen kann.
