Wie wird ein faires Trikot produziert? Ein Interview zur Entstehungsgeschichte mit Design-Agentur und Textil-Hersteller BetterNiceCool
Wie kamt ihr auf die Idee, ein nachhaltiges Basketballtrikot für Berlin zu produzieren und welche Partner waren dafür nötig?
Als Design-Agentur und Textil-Hersteller ist es unser Ziel, Alternativen zu bestehenden Produkten zu entwickeln, die für den jeweiligen Bedarf die beste Lösung mit dem geringsten Impact auf Mensch und Umwelt darstellen. Gerade im Breitensport gibt es hier noch viel Potenzial, gleichzeitig ist der Markt preissensibel. Da wir große Basketball-Fans sind und dieses Jahr der Basketball Women’s World Cup in Berlin stattfindet, war das Anlass genug, eine Alternative zum bestehenden Markt anzubieten – gleichzeitig sollte das Projekt ein verbindendes Element sein und der Community mehr Sichtbarkeit verschaffen.
Die Idee entstand bereits im Herbst 2025. Nach viel konzeptioneller Planung, Produktentwicklung und intensivem Austausch im Netzwerk konnten wir die Umsetzung für die ausgewählten Vereine vor allem dank der Unterstützung von Future League, dem Aktionsbündnis Fairer Handel Berlin und dem Landessportbund Berlin erfolgreich realisieren. Ein weiterer entscheidender Faktor war unsere Produktionsstätte in Portugal, die mit viel Geduld, Enthusiasmus und Einsatz zur Seite stand. Inzwischen haben wir dort zudem einen Partner, der uns bei Qualitätskontrollen und Produktionsfreigaben unterstützt – das hat uns bei Timing und Qualitätssicherung enorm geholfen.
Der Begriff Nachhaltigkeit ist mittlerweile sehr dehnbar – was genau macht das Produkt besonders und wo grenzt ihr euch von konventioneller Produktion ab?
Mit der EmpCo-Richtlinie werden dieser Dehnbarkeit ab September klare Grenzen gesetzt, was wir begrüßen, auch wenn es die Branche zunächst vor Herausforderungen stellt. Wir selbst vermeiden bewusst generalistische Claims und setzen stattdessen auf die pointierten Faktoren, die für das jeweilige Produkt zutreffen.
In diesem Fall ist das zum einen das Material: recyceltes Polyester, das sich ohne Vermischung mit anderen Fasertypen gut in den Recycling-Kreislauf zurückführen lässt. Mit Blick auf die sozialen Produktionsbedingungen gilt Portugal zudem als „Niedrigrisikoland“; der Betrieb, in dem die Trikots gefertigt wurden, ist zusätzlich Oeko-Tex-Step-zertifiziert.
Welche Ziele habt ihr im Anschluss an das Projekt und wo seht ihr das größte Potenzial für den nachhaltigen Berliner Sport?
Wir sehen hier eine große Chance, mit einer starken und engagierten Community – gerne auch über Berlin hinaus – Sportbekleidung mit einem konsequent nachhaltigen Denken und Handeln zu verändern. Uns ist wichtig, von Anfang an einen Dialog darüber zu führen, was alle Beteiligten unter einem nachhaltigen Produkt verstehen und realistische Maßstäbe anzusetzen: das Bewusstsein zu schaffen, dass hier keine konventionellen Artikel entstehen.
Nachhaltige Produktion gelingt am besten mit vielen, möglichst bekannten Ambassadors – etwa in Vereinen oder angeschlossenen Unternehmen –, die das Thema konsequent mittragen. Es braucht ein großes Commitment und eine große Community. Wirtschaftlich und seriell umsetzbar werden Konzepte wie das der Einkaufsgemeinschaft dann, wenn dadurch höhere Stückzahlen erreicht werden, die eine nachhaltige Produktentwicklung und Umsetzung ermöglichen. Template-basierte Lösungen im Schnitt, mit hoher Individualisierungsmöglichkeit bei Material, Farben und Veredelung, sind für uns ein spannender Auftakt. Danke an das Aktionsbündnis Fairer Handel Berlin, Future League und Landessportbund Berlin für die wichtigen Weichenstellungen in diesem Thema!