Mikrokredite als Weg aus der Armut – oder in die Überschuldung? Am Beispiel Kambodschas beleuchtet die Veranstaltung die Risiken des Mikrofinanzsektors und die Verantwortung globaler Entwicklungsfinanzierer. Mit dem Film „Debt Inc. Cambodia’s Microfinance Machine“ und anschließender Diskussion mit der Mikrokredit-Expertin Sophia Cramer.
Was passiert, wenn aus Zugang zu Mikrokrediten systemische Überschuldungsrisiken entstehen – und welche Verantwortung tragen Entwicklungsfinanzierer, die diesen Sektor finanzieren?
Kambodscha hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine rasante Expansion des Mikrofinanzsektors erlebt. Was als Instrument zur Armutsbekämpfung und wirtschaftlichen Selbstbestimmung gefeiert wurde, hat für viele Kreditnehmer*innen zu Überschuldung, existenziellem Druck und in einigen Fällen zum Verlust von Land geführt.
Dahinter stehen systemische Überschuldungsrisiken. Strukturelle Armut, unsichere Einkommen und unzureichende soziale Absicherung treffen auf ein kommerzielles Finanzierungsmodell. Die globale Refinanzierung von Mikrokrediten über komplexe Finanzierungs- und Wertschöpfungsketten trägt zu hohen Kreditzinsen bei, während unflexible Rückzahlungsbedingungen wenig Spielraum für volatile Einkommen lassen. Wiederholte Überschuldungskrisen in Ländern wie Indien und Kambodscha zeigen, dass diese Risiken fortbestehen und bislang nicht ausreichend eingedämmt werden.
Diese Veranstaltung beleuchtet die Verantwortung globaler Entwicklungsfinanzierung am Beispiel der International Finance Corporation (IFC): Aktuelle Beschwerden bei der IFC-Ombudsstelle und ihr umfassender Untersuchungsbericht werfen Fragen zur Sorgfalt und Aufsicht der IFC gegenüber den von ihr finanzierten Mikrofinanzorganisationen auf. Was muss sie tun, um Überschuldungsrisiken im Rahmen ihrer Investitionen in den Mikrofinanzsektor wirksam zu reduzieren?
Filmscreening „Debt Inc. Cambodia’s Microfinance Machine“ von Robin Narciso und Thomas Cristofoletti sowie Input und Diskussion mit Sophia Cramer, Soziologin und Expertin für Mikrokredite
Veranstalter: WEED – Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung zusammen mit Facing Finance & Sophia Cramer,
Die Veranstaltung und die Beteiligung von WEED e. V. an der Aktionswoche werden unterstützt durch eine Projektförderung von Brot für die Welt.
Die Veranstaltung ist Teil der Aktionswoche: Diese Welt gehört uns allen – brecht die Macht von IWF und Weltbank! (05. – 14. Oktober)
Alle weiteren Veranstaltungen und Infos findet ihr auf der Aktionswebseite.
