Wie sieht gerechter Kaffeehandel aus der Perspektive der Menschen aus, die Kaffee anbauen? Bei „Gemeinsam wachsen“ berichteten Produzent*innen aus El Salvador und Guatemala gemeinsam mit MITKA über Kooperativen, nachhaltigen Anbau und langfristige Handelsbeziehungen – und darüber, was Fairer Handel in der Praxis bedeutet.
Heute schon eine Tasse Kaffee getrunken?
Vielleicht aus der French Press, dem Vollautomaten oder ganz klassisch aus dem Filter. Über Zubereitung, Röstung und Geschmack wissen viele von uns ziemlich genau Bescheid. Gehen wir die Wertschöpfungskette jedoch Schritt für Schritt zurück, wird unser Wissen oft schnell unschärfer: Wer baut den Kaffee eigentlich an? Unter welchen Bedingungen? Wie organisieren sich Produzent*innen – und wie entstehen Handelsbeziehungen, von denen beide Seiten langfristig profitieren?
Drei Produzent*innen, drei Perspektiven aus Mittelamerika
Genau darum ging es am 16. 09. 2026 bei „Gemeinsam wachsen“, einer gemeinsamen Veranstaltung von FairBindung e. V. und dem Aktionsbündnis Fairer Handel Berlin. Im Mittelpunkt standen nicht Siegel oder abstrakte Lieferketten, sondern die Erfahrungen der Menschen am Anfang der Kaffeekette.
Leticia Guillén von der Kooperative Las Lajas in El Salvador, Andrés Cotuc von der Kooperative La Voz in Guatemala und Héctor Aguilar von der Kooperative AGASACARE in El Salvador berichteten aus ihrer Arbeit.
Mit dabei war außerdem Anne Löwisch von MITKA – Mittelamerika-Kaffee-Import, die die Perspektive des solidarischen Kaffeeimports und der langjährigen Zusammenarbeit mit Kooperativen einbrachte.
Gemeinsam organisieren, gemeinsam entscheiden
Die Kooperativen zeigen, welche Bedeutung gemeinschaftliche Organisation für Kaffeeproduzent*innen haben kann. Gemeinsam lassen sich Wissen und Ressourcen teilen, Interessen vertreten und bessere Voraussetzungen für den Zugang zum Markt schaffen. Gleichzeitig wurde deutlich: Eine Kooperative ist weit mehr als eine wirtschaftliche Zweckgemeinschaft. Sie kann Räume schaffen, in denen Menschen gemeinsam Entscheidungen treffen, voneinander lernen und ihre wirtschaftliche Zukunft stärker selbst gestalten.
Gesunde Böden, starke Kaffeepflanzen
Auch der Kaffeeanbau selbst spielte eine wichtige Rolle. Die Gäste berichteten darüber, wie sie ihre Anbaumethoden weiterentwickeln. Dazu gehört beispielsweise Bokashi, eine ursprünglich in Japan entwickelte Methode zur Fermentation organischen Materials. Daraus entsteht ein nährstoffreicher organischer Dünger, der die Bodenfruchtbarkeit fördern und gute Bedingungen für die Kaffeepflanzen schaffen kann. Der Blick auf den Boden macht deutlich, wie eng ökologische Fragen mit der langfristigen Zukunft des Kaffeeanbaus verbunden sind.
Fairer Handel ist eine Beziehung
Gerechter Handel entsteht jedoch nicht allein auf den Kaffeefeldern. Entscheidend ist auch, wie gehandelt wird: Wie langfristig sind Beziehungen angelegt? Wer trägt Risiken? Welche Preise werden gezahlt? Und wie viel Planungssicherheit haben Produzent*innen? Im Gespräch wurde deutlich, dass solidarische Handelsbeziehungen Vertrauen, Verlässlichkeit und gegenseitiges Lernen brauchen. Fairer Handel bedeutet damit nicht nur, am Ende einen anderen Kaffee zu kaufen – sondern Handelsbeziehungen anders zu gestalten.
Hinter jeder Tasse Kaffee stehen Menschen, Wissen, Arbeit und Entscheidungen darüber, wie Wert verteilt wird. Wer fair gehandelten Kaffee kauft, kann Handelsmodelle unterstützen, die auf bessere Preise, langfristige Partnerschaften und mehr wirtschaftliche Perspektiven für Produzent*innen setzen.
Es lohnt sich also, beim nächsten Kaffee genauer hinzuschauen: Woher kommt er? Unter welchen Bedingungen wurde er gehandelt? Und wer profitiert von seinem Verkauf? Fairer Kaffee ist längst Teil unseres Alltags – im Weltladen, im Café, im Supermarkt oder direkt bei fair handelnden Röstereien.
Wer noch tiefer einsteigen und mehr über gerechte Wertschöpfung beim Kaffee erfahren möchte, dem legen wir die Bildungsangebote von FairBindung e. V. ans Herz.