Kaffee Kooperative: Kaffee anders gedacht
Kaffee wird weltweit gehandelt – doch ein großer Teil der Wertschöpfung entsteht meist erst dort, wo die Bohnen geröstet, verpackt und vermarktet werden. Die Berliner Kaffee Kooperative stellt genau dieses Modell infrage. Ihr Ansatz: Produzent*innen sollen nicht nur Rohkaffee liefern, sondern möglichst viel Kontrolle über Verarbeitung, Marke und Verkauf behalten. Im Mittelpunkt steht Angelique’s Finest – ein Fairtrade-zertifizierter Spezialitätenkaffee aus Ruanda, bei dem Frauen eine zentrale Rolle entlang der gesamten Wertschöpfungskette übernehmen.
Mehr Wertschöpfung im Ursprung
Die ruandischen Partnerkooperativen sind über RWASHOSCCO organisiert, ein Unternehmen, das den Kooperativen gehört. Der Kaffee wird in Ruanda nicht nur angebaut und aufbereitet, sondern auch geröstet und verpackt. Die Kaffee Kooperative kauft ihn als fertiges Produkt und übernimmt vor allem den Vertrieb auf dem deutschen Markt.
Dahinter steht der sogenannte Fair-Chain-Ansatz: Möglichst viele Schritte der Wertschöpfung sollen dort stattfinden, wo der Kaffee angebaut wird. Die Partnerkooperativen sind Fairtrade-zertifiziert. Darüber hinaus geht es darum, Produzent*innen nicht nur als Rohstofflieferant*innen zu verstehen, sondern ihnen mehr Kontrolle über Verarbeitung und Vermarktung zu ermöglichen.
Kaffee aus Frauenhand
Frauen leisten einen großen Teil der Arbeit im Kaffeeanbau, sind aber in Eigentums-, Handels- und Entscheidungsstrukturen häufig unterrepräsentiert. Angelique’s Finest setzt genau hier an.
Der Kaffee wird von Frauenkooperativen angebaut. Auch weitere Schritte der Verarbeitung und Vermarktung liegen in den Händen der Produzentinnen. Damit geht es nicht allein um Einkommen, sondern auch darum, wer Entscheidungen trifft, Kompetenzen aufbaut und über ein Produkt und seine Vermarktung bestimmen kann.
Zwischen Ruanda und Berlin
Die Kaffee Kooperative versteht sich als deutsch-afrikanisches Social Business. Während Anbau, Verarbeitung und wesentliche Entscheidungen rund um das Produkt in Ruanda liegen, schafft das Berliner Team Zugang zum deutschen Markt und übernimmt hier Vertrieb und Kommunikation.
Das verändert eine im Kaffeehandel verbreitete Rollenverteilung: Nicht ein Unternehmen in Europa entwickelt eine Marke und kauft dafür Rohkaffee ein. Mit Angelique’s Finest kommt ein in Ruanda verarbeitetes und verpacktes Produkt mit eigener Marke auf den deutschen Markt.
Publikumsliebling beim FAIR CUP
Dass dieses Handelsmodell und Kaffeequalität zusammengehen können, zeigte Angelique’s Finest auch beim FAIR CUP 2025 im Rahmen der Berlin Coffee Week. Bei der Blindverkostung verschiedener Berliner Fairtrade-Kaffees gewann Angelique’s Finest den Publikumspreis.
Der FAIR CUP wurde vom Aktionsbündnis Fairer Handel Berlin gemeinsam mit Fairtrade Deutschland und Röstwerk Berlin veranstaltet. Ziel war es, die Vielfalt fair gehandelter Kaffees in Berlin sichtbar – und vor allem schmeckbar – zu machen.
Wer entscheidet im Kaffeehandel?
Die Kaffee Kooperative bringt damit eine grundlegende Frage in den Fairen Handel ein: Wer kontrolliert die Wertschöpfung?
Angelique’s Finest zeigt ein Modell, bei dem Produzentinnen nicht nur am Anfang der Lieferkette stehen. Sie sind an Verarbeitung und Vermarktung beteiligt und verfügen mit Angelique’s Finest über eine eigene Marke.
Damit erweitert die Kaffee Kooperative die Perspektive auf Fairen Handel: Neben Preisen und Handelsbedingungen geht es auch um Eigentum, Entscheidungsmacht und darum, wo Wertschöpfung stattfindet.
Kaffee Kooperative im Aktionsbündnis
Als Berliner Akteur des Fairen Handels bringt die Kaffee Kooperative ihre Erfahrungen mit direkteren Handelsstrukturen, Wertschöpfung im Ursprungsland und der Zusammenarbeit mit Produzent*innenorganisationen in das Aktionsbündnis Fairer Handel Berlin ein.
Gerade beim Thema Kaffee ist diese Perspektive für das Bündnis wichtig: Berlin hat eine vielfältige Kaffeeszene – und ebenso vielfältig sind die Ansätze, Fairen Handel konkret zu gestalten. Mit der Kaffee Kooperative ist ein Modell vertreten, das die Frage nach Verantwortung und Entscheidungsmacht entlang der Lieferkette besonders konsequent stellt.